Das Deutsche Kaiserreich

Die Geschichte des deutschen Kaiserreichs seit 1871 – die Gründung

Otto v. BismarckDas heutige Deutschland setzte sich im 19. Jahrhundert zunächst noch aus einer Vielzahl an autonomen Rechtsgebieten zusammen, deren Politik und Wirtschaft durch Monarchen eigenständig verwaltet wurde. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg einigten sich die meisten Monarchen allerdings darauf, eine Nation zu gründen, die einheitlich gegen Bedrohungen aus dem In- und Ausland vorgehen kann. Am 18. Januar 1871 wurde das Deutsche Kaiserreich schließlich mit der Verkündung im Spiegelsaal von Versailles gegründet. König Wilhelm I. wurde damit zum Kaiser einer Nation gewählt, die eine Bevölkerung von 41 Millionen Menschen umfasste. Vier Monate später trat dann die endgültige Verfassung des Deutschen Kaiserreiches in Kraft. Sie kodifizierte Deutschland als konstitutionelle Monarchie, die der Vormachtstellung Preußens unterstand.

Wirtschaftlicher und politischer Zerfall – 1871 bis 1878

Bereits wenige Monate nach der Gründung erfuhr die Wirtschaft einen außergewöhnlichen Aufschwung. Dies konnte unter anderem auf die Reparationszahlungen des Kriegsverlierers Frankreich zurückgeführt werden. Dennoch konnte das Wirtschaftswachstum nicht lange anhalten. Zwei Jahre nach der Gründung setzten nämlich bereits die ersten Wirtschaftskrisen ein und beendeten den Aufschwung im sogenannten „Gründerkrach“. Dieser löste im gesamten Land eine Krisenstimmung aus, wodurch auch der Antisemitismus verstärkt praktiziert wurde. Unterdessen geriet auch die Politik ins Schwanken. So versuchte der Reichskanzler Bismarck, der die Führungsmacht mit dem Kaiser zeitgleich innehatte, den politischen Katholizismus und die Sozialdemokratie zu schwächen. Dies resultierte in einer politischen Anspannung, die viele Jahrzehnte anhielt. Dadurch war es Deutschland nur bedingt möglich, sich auf den Aufschwung Frankreichs und einen möglichen Rückschlag vorzubereiten.

Deutsche Innen- und Außenpolitik – 1879 bis 1887

Mit der Verschärfung internationaler Konflikte wurde der Gesellschaft die Gefahr eines erneuten Krieges bewusst. Dem wirkte Bismarck entgegen, indem er Bündnisse mit seinen Nachbarländern einging. Zu den wichtigsten Partnern gehörten vor allem Österreich und Ungarn, die im Falle eines Angriffes durch Frankreich oder Russland den Deutschen zur Seite stehen sollten. Diese Bündniskonstellation wurde durch den Beitritt weiterer Mitglieder ergänzt. Gleichzeitig gelang es Bismarck bis 1887, Sozialgesetze zu entwerfen, die erstmalig den deutschen Arbeiter vor der Armut schützen sollten.

Wilhelminisches Zeitalter – 1888 bis 1900

Im Jahr 1888 wurde Wilhelm II. zum neuen deutschen Kaiser ernannt. Ihm gelang es allerdings nicht, mit Bismarck zu kooperieren. Die zunehmend eskalierende Auseinandersetzung endete schließlich mit dem offiziellen Rücktritt Bismarks. Diesem gelang es daher nicht mehr, ein Bündnis zwischen Frankreich und Russland im Jahre 1893 und damit die Gefahr eines Zweifrontenkrieges zu verhindern. In den Folgejahren war es Deutschland allerdings möglich, sich wirtschaftlich zu stabilisieren und seine Streitkräfte zu erweitern.

Politische Anspannungen – 1900 bis 1914

Nach dem Rücktritt Bismarks gewannen neben dem Kaiser nun auch der Reichstag und das Militär zunehmend an Einfluss. Eine wichtige Rolle spielten vor allem Massenparteien, welche die bisherige Regierung in den Hintergrund drängten. Zu den einflussreichsten Parteien gehörten die Frei-Konservative Partei und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Damit verlor Deutschlands Innenpolitik zunehmend an Stabilität. Politische Anspannungen nahmen allerdings auch in der Außenpolitik zu. Konflikte um die Kolonialrechte und Provokationen zwischen den Nachbarstaaten verschärften weiterhin die Gefahr eines Weltkrieges. Dies erreichte einen Höhepunkt, als Wilhelm II. in einem Interview taktlose Äußerungen über die Nachbarstaaten verlor.

Ende des Deutschen Kaiserreichs – 1914 bis 1918

Die politischen Anspannungen zu den Nachbarländern Deutschlands führten schließlich in den Ersten Weltkrieg. Dieser begann mit Kampfhandlungen im Jahre 1914, die vorwiegend gegen Russland und Frankreich gerichtet waren. Vier Jahre später verlor Deutschland den Krieg und musste seine Niederlage verkünden. Damit stieg die Empörung des deutschen Volkes, die zuletzt 1918 zur Abdankung des Kaisers Wilhelms II. führte. Mit dessen Abdankung endete auch das Zeitalter des Deutschen Kaiserreichs. Kurze Zeit später herrschte in Deutschland eine Demokratie. Daran, dass diese bis zu Hitlers Machtergreifung nicht lange bestehen bleiben sollte, erinnert Görings Wohnung auf Sylt.
Marc Krüger