Die Geschichte der FDP

vote-33737_640Die FDP in ihrer heutigen Form wurde am 11. und 12. Dezember 1948 im hessischen Heppenheim an der Bergstraße gegründet. Sie ging aus verschiedenen nationalliberalen und linksliberalen Parteien hervor, die im Nachkriegsdeutschland in jedem Bundesland unter anderem Namen politisch tätig waren. Heppenheim an der Bergstraße wurde als Gründungsort nicht zufällig ausgesucht. Hier hatten sich bereit 1848 die liberalen Anhänger der Märzrevolution getroffen. Die moderne FDP, deren Kürzel seit 1968 für den Namen „Freie Demokratische Partei“ steht, sah sich als Erbe dieser Liberalen. Die Grundziele der neuen Partei waren zum einen, dass der Staat so wenig wie möglich lenkt und zum anderen, dass die Freiheit des Einzelnen im Rahmen des geltenden Rechtssystems so weit wie möglich erhalten bleibt.

Wichtiger Koalitionspartner auf Bundesebene

Gründungsmitglieder der FDP waren Theodor Heuss und Franz Blücher als sein Stellvertreter. Die Parteimitglieder stammen vornehmlich aus dem Bildungsbürgertum und vor allem der Industrie und Wirtschaft. Aus diesem Grunde erwarb sich die FDP schnell den Ruf, eine elitäre Partei zu sein, auf deren Parteitagen eher Champagner und Caviar als Bier und Würstchen gereicht würden. Die FDP spielte als relativ kleine Partei stets den Mehrheitsbeschaffer für die jeweilige Regierung. Bei jeder Wahl ging sie Koalitionen mit den großen Volksparteien CDU/CSU und SPD ein, sodass die FDP auf Bundesebene fast durchgängig zu den regierenden Parteien gehörte. So bildete sie von 1949 bis 1956, von 1961 bis 1966 und von 1982 bis 2013 zusammen mit der CDU/CSU die Regierungsmehrheit. 1966 zerbrach die Koalition mit der CDU/CSU am Thema Steuererhöhungen. Daraufhin stellte eine Große Koalition aus den Volksparteien die Regierung. Nach den Neuwahlen 1969 ging die FDP eine Koalition mit der SPD ein, die bis 1982 hielt. Diese Koalition wurde durch ein Misstrauensvotum gegen den damaligen SPD-Kanzler Willi Brandt beendet, bei dem sich die FDP wieder der CDU zuwandte. In der Folge verloren die Liberalen durch ihre Koalitionsbrüche viel an Vertrauen in der Bevölkerung, sodass sie bei den folgenden Wahlen nur noch wenige Stimmen erreichen konnten. Hatte sie bis zur Koalition mit der SPD immer im Durchschnitt zehn Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen können, so kam sie nach ihren Koalitionsbrüchen nur noch knapp über die benötigte fünf-Prozent-Hürde. Auf Landesebene wirkte die Partei über viele Jahre an den Landesregierungen mit, auf kommunaler Ebene spielt die FDP in den meisten Fällen nur eine untergeordnete Rolle.

Von Theodor Heuss bis Philipp Rösler

Zu den herausragenden Persönlichkeiten der FDP gehören zwei Bundespräsidenten und mehrere Außenminister. Als Regierungspartei stand der FDP immer der Posten des Vize-Kanzlers zu. Zu den bekanntesten FDP-Politikern gehörte Theodor Heuss, der Mitbegründer der Partei. Er war der erste Bundespräsident Deutschlands und übte sein Amt von 1949 bis 1959 aus. Ein weiterer großer Kopf der FDP war der in der Bevölkerung sehr beliebte Walter Scheel, der von 1974 bis 1979 ebenfalls als Bundespräsident amtierte und der für europäische Liberalität stand. Erich Mende war von 1963 bis 1969 Bundesminister und Stellvertreter des Kanzlers.

Genscher und der „Genscherismus“

Eine besondere Bedeutung hatte Hans-Dietrich Genscher, der von 1969 bis 1992 nahezu durchgängig als Außenminister tätig war. Zur Zeit der Wende 1989 spielte er eine wichtige Rolle in der Veränderung der deutsch-deutschen Beziehungen. Auch bei seinen Kritikern genoss Genscher einen sehr guten Ruf. Der Begriff des „Genscherismus“, eine Politik, die auf die europäischen Belange ausgerichtet ist, wurde durch den Namen des Ministers geprägt. Die Parteivorsitzenden Otto Graf Lambsdorff, Klaus Kinkel und Guido Westerwelle hinterließen ihre Spuren als Vizekanzler und Außenminister. 2011 übernahm Philipp Rösler den Parteivorsitz und stellt neben seinem Amt als Bundesminister der Wirtschaft den Stellvertreter der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Kritik wegen Spendenaffären und Koalitionsbrüchen

Die FDP geriet recht häufig wegen verschiedener Spendenaffären in die Kritik. Durch ihren zweimaligen Koalitionsbruch erwarb sie sich den Ruf als Mehrheitsbeschaffer, was nicht zu ihrem Ansehen in der Bevölkerung beitrug. Sie gilt für alle Regierungen als schwieriger Partner, mit dem es häufig Auseinandersetzungen gibt. Vor allem das Verhältnis zur bayrischen CSU ist nicht immer ungetrübt.

Der Tod des Jürgen W. Möllemann

Zu den spektakulärsten Ereignissen in der Geschichte der FDP gehört der nicht völlig aufgeklärte Tod von Jürgen W. Möllemann, der viele Jahre als Bundesminister in verschiedenen Ministerien tätig war. 1992 geriet er durch die sogenannte Briefbogen-Affäre in die Kritik und gab seine Ämter ab. Er hatte auf Briefbögen des Wirtschaftsministeriums Werbung für das Unternehmen eines Familienmitglieds gemacht. Im Jahre 2000 verlor er wegen irregulärer Finanzgeschäfte und durch ein nicht genehmigtes Wahlkampf-Flugblatt auch auf Landesebene alle Posten. 2003 starb Möllemann an den Folgen eines Absturzes bei einem Fallschirmsprung, den Möllemann Untersuchungen zufolge selbst verursachte. In die Kritik geriet die FDP auch durch die EU-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, der wegen eines Plagiats der Doktortitel entzogen wurde.
Marc Krüger