Neues von Gustl Mollath

Der Artikel „Neues von Gustl Mollath“ führt chronologisch eine Zusammenfassung des Mollath-Falls auf.

Neues von Gustl Mollath: Der Fall Mollath


Werbung
Kein Fall eines Psychiatrie-Patienten fand in den letzten Jahren ein so großes mediales Interesse, wie der von Gustl Mollath. Großen Anteil daran hat die hollywoodreife Mischung aus Scheidungskrieg, einem korrupten Bankenwesen und dem Verlust des Vertrauens in eine unvoreingenommene Justiz. Sich in diesem komplexen Fall aus Zweifeln, Gutachten und nicht vorgelegten entlastenden Beweisen zurechtzufinden, ist jedoch selbst für Experten ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Neues von Gustl Mollath: Hintergründe der psychiatrischen Unterbringung

Neues von Gustl MollathDie Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung bis hin zu Schwarzgeldgeschäften, die das Ehepaar Mollath ab 2002 gegenseitig erhob, sind äußert gravierend. Bereits zum damaligen Zeitpunkt wird jedoch eine ungleiche Gewichtung der Aussagen der damaligen Eheleute deutlich. Während die Zweifel der Vermögensberaterin Petra Mollath am Geisteszustand ihres getrennt lebenden Mannes in den Prozessen im Fokus standen, wurden die Anzeigen Gustl Mollaths bei der Staatsanwaltschaft gegen seine Exfrau nicht weiter verfolgt. Bis zu seiner endgültigen Einweisung im Februar 2006 hatte sich tatsächlich niemals ein Gutachter persönlich mit Gustl Mollath unterhalten. Das entscheidende Sachverständigengutachten beruhte einzig auf den Aussagen von Petra Mollath und den Gerichtsakten. Für Gustl Mollath hatte dies zur Folge, dass er vom Vorwurf der Körperverletzung aufgrund von erwiesener Schuldunfähigkeit 2006 freigesprochen, eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus aber weiter vom Gericht für nötig erachtet wurde. Hauptsächlich begründet wurde diese Entscheidung mit der Verhinderung weiterer Straftaten und einem von Mollath entwickelten paranoiden Konstrukts der angeblichen Schwarzgeldgeschäfte seiner Exfrau.

Neues von Gustl Mollath: Druck der Medien auf die Justiz

Bis zur ersten öffentlichen Darstellung des Falls in den Medien im Jahr 2011 waren sämtliche Revisionen, welche die Aufhebung der gerichtlichen Unterbringung erwirken sollten, im Sande verlaufen. Durch die auf den Fall aufmerksam gewordenen Journalisten wurde innerhalb kürzester Zeit auch die Justiz auf den Prüfstand gestellt. Das Verhalten von Richtern, Gutachtern und anderen Verfahrensbeteiligten schien dabei schnell äußerst zweifelhaft. Dazu zählt zum Beispiel die selektive Auswahl entlastender Beweismittel, welche niemals die Schöffen erreichten, einseitige Gutachten, die eine sehr einfache Unterbringung ermöglichten und der zweifelhafte Ursprung des Attests, der durch Mollath zugefügten Verletzungen seiner Frau. Doch erst als der Fall Mollath auch politisch diskutiert wurde und zudem ab 2012 eine Anzeigenwelle von Bürgern wegen Freiheitsberaubung bei der Staatsanwaltschaft einging, waren erste positive Signale für ein Wiederaufnahmeverfahren zu vernehmen. Als am 6. August 2013 das Oberlandesgericht Nürnberg in seiner Entscheidung die Wiederaufnahme des Verfahrens und das Ende der Zwangsunterbringung von Gustl Mollath anordnete, hatte dieser bereits sieben Jahre in der Psychiatrie verbracht.

Neues von Gustl Mollath: Ausblick auf die Zukunft

Trotz seiner Entlassung aus der Psychiatrie schwebt über der Zukunft von Gustl Mollath auch weiterhin ein großes Fragezeichen. Neben der juristischen Rehabilitierung durch einen voraussichtlich im nächsten Jahr stattfindenden neuen Prozess muss Gustl Mollath sein Leben von Grund auf neu aufbauen. Sein Elternhaus wurde zwangsversteigert, der Aufenthaltsort seines Besitzes ist ungeklärt und seine berufliche Situation ohne neue Arbeitsstelle legen die Vermutung nahe, dass es noch eine ganze Weile dauert, bis aus Freiheit Normalität wird. Politische Konsequenzen aus dem Fall Mollath sollen jedoch in Kürze folgen. Die gesetzlichen Grundlagen für eine psychiatrische Unterbringung sollen überprüft werden.

Marc Krüger
Bilder(tpsdave/pixabay.com)


Werbung