Tempora – Einfach schnüffeln

SpionageWie Heise berichtet, wurde durch den Guardian ein riesiges Spionageprogramm aufgedeckt. Der Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) habe dabei direkt Zugang zu den Glasfaserkabeln, die im Atlantik liegen, gehabt. Nun hat man Unmengen an Daten, die darüber liefen, zur Auswertung kopiert. Natürlich, und das war nebenbei auch nicht anders zu erwarten, sind diese Daten wohl mit dem US-Geheimdienst NSA geteilt worden.

Wirklich alles wurde ausspioniert

Emails wurden ebenso gelesen, wie sämtliche Kommentare und Aktivitäten in den sozialen Netzwerken, Telefongespräche und Surfverhalten auf Websites. Anders als die NSA, die ja erst verzögert die Daten von den Internetdienstleistern per FTP bekommen haben, wurden hier auf Binärebene die Daten mitgesniffert.

Fünf Augen sehen auf das Internet

Die sogenannten Five Eyes sind die fünf Geheimdienste der Staaten USA, Kanada, Großbritannien, Neuseeland und Australien. Unter anderem rühmen sich diese Geheimdienste, über gewaltige Möglichkeiten zu verfügen, das Internet und damit die Benutzer unter ihrer Kontrolle zu haben. Und in der Tat scheint es wohl auch so zu sein. Wer hier mitlesen kann, kann auch die Daten entsprechend verfälschen.

Was machen mit Anonymous und Tor Projekt?

Das Problem dieser Geheimdienste besteht jedoch darin, dass Serviceprovider auch in Indien oder Russland sitzen können. Daher wird derzeit von den Geheimdiensten einiges an Immobilien aufgekauft, um dort Hauptquartiere zu errichten. Dort wird man die Abhöraktionen weiter ausdehnen und Tempora und Umständen ebenfalls einsetzen können.

Filterung der Pakete

Jeder Internetservice kann dabei einen anderen Aufbau der Pakete haben. Offenbar werden diese Geheimdienste entsprechende Filterprogramme besitzen, die die Pakete zu Websites oder Serviceleistungen zuordnen können. Eine Voice over IP-Telefonie ist natürlich anders aufgebaut, als ein HTTP-Protokoll von bestimmten sozialen Netzwerken. Tempora muss also ein gigantisches IT-Projekt sein.

Wer billigte die Gelder?

Dieses dürfte eine interessante politische Frage sein. Das Projekt soll ja bereits seit mehr 1,5 Jahren laufen und ohne Snowden wäre in den nächsten Jahren nichts davon bekannt geworden. Die britische Regierung dürfte nun also gehörig unter Druck geraten. Sollte man mit solchen Schnüffelmenschen noch Geschäfte machen? Einer Firma muss Angst und Bange werden, wenn zum Beispiel Vertragsangebote nach London gefaxt werden. Wer hört hier alles mit? Die andere Frage wird natürlich sein, wer hier die Gelder für das Projekt billigte. Eine derart große Aktion kann eigentlich nur auf politischer Ebene entschieden werden. Sollte dieses nicht der Fall, so ist die Demokratie in wirklich höchster Gefahr, wenn Geheimdienste ohne politische und damit Volkslegitimation losgelöst von Recht und Verfassung operieren. Es dürfte damit in den nächsten Wochen spannend werden, welche pikaten Details noch bekannt werden und ob mit politischen Konsequenzen zu rechnen ist.

(Bild: PublicDomainPictures / pixabay)